Düsseldorfer Schauspielhaus
21.09.2019, 19:30

Fabian oder Der Gang vor die Hunde

(c) Sandra Then

Nach dem Roman von Erich Kästner

»Fabian«, der Debütroman des jungen Erich Kästner, zeichnet das Porträt eines enthemmten Berlin am Vorabend von Hitlers Machtergreifung. Erzählt wird die Geschichte des Jakob Fabian, eines promovierten Germanisten und arbeitslosen Werbetexters, der Anfang der 1930er-Jahre das Berliner Nachtleben erkundet: die Welt der Bordelle, extravaganten Künstlerateliers und illegalen Kneipen. Hier wird getrunken, gelebt und irgendwie geliebt, als gäbe es kein Morgen (und es gab ja auch keins). Im Rhythmus des Jazz taumelt Fabian, der sich in der Position des distanzierten Beobachters wähnt, von einer Katastrophe in die nächste. Er erlebt die bittersüße Liebe zu einer angehenden Schauspielerin, den Kampf zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten, den Freitod seines idealistischen Freundes und am Ende, nun ja – das Ende.

Als Kästners Großstadtroman im Jahr 1931 erschien, avancierte er zur literarischen Sensation. Dreißigtausend verkaufte Exemplare innerhalb weniger Monate! Nur zwei Jahre später hatte sich die Zeitenwende vollzogen: Der Dichter musste mitansehen, wie seine Werke öffentlich verbrannt wurden. »Gegen Dekadenz und moralischen Verfall!« lautete die Parole der Nationalsozialisten. Heute darf »Fabian« als selbstironisches Zeugnis einer ziemlich verwirrten, ihrem Ende entgegentanzenden Epoche gelten. Ein Plädoyer für moralische Integrität im Angesicht des klaffenden Abgrunds. Es inszeniert Bernadette Sonnenbichler, die letzthin mit Shakespeares »Romeo und Julia« ihr Debüt am Düsseldorfer Schauspielhaus gab.

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