filmforum - Kommunales Kino & filmhistorische Sammlung der Stadt Duisburg
18.03.2019 – 28.03.2019

Das Filmprogramm zu den 40. Duisburger Akzenten

(c) Filmforum Duisburg

Flucht nach Utopia

Die Filmgeschichte hat viele Visionen hervorgebracht: ideale Orte, oft gemalt in schillernden Farben. Die Reihe „Flucht nach Utopia“, das Filmprogramm zu den 40. Duisburger Akzenten, erzählt weniger von entfernten oder futuristischen Fantasien. Der Widerstand gegen das Jetzt führt die Filme nicht in eine Traumwelt. Stattdessen machen sie sich auf den Weg in ein nahes Utopia. Hier leben Figuren, die aus dem Geist der Rebellion gegen die Gegenwart Alternativen entdecken wollen. Die Filme eint, dass sie an historischen Wendepunkten entstanden. Sie entwerfen neue Gesellschaften für ein bereits grauendes Morgen.

Easy Rider

Als Jack Nicholson noch Nebenrollen spielte, als Dennis Hopper noch jung war, als Peter Fonda die Freiheit eine Hure nannte, entstand EASY RIDER – der Film über junge Männer, die mit ihren Motorrädern den Weg ins gelobte Land suchen. EASY RIDER wurde zum Mythos. Wie kein anderer Film drückte er das Lebensgefühl der Jugend in den späten 1960er-Jahren aus, steht das Road-Movie für die Utopie vom Anders-, vom Einzigartigsein. Der Film verbindet die Idee eines individuellen Ausbruchs mit dem benebelten Traum eines freiheitlichen Amerikas. Dennis Hopper und Peter Fonda spielen in der Low-Budget-Produktion aus dem Jahr 1969 die Hauptrollen. Beide waren auch hinter der Kamera die treibenden Kräfte: Hopper führte Regie. Gemeinsam schrieb man das Drehbuch. Jack Nicholson ist in einer Nebenrolle zu sehen. Der Klassiker (inzwischen 50 Jahre alt) ist zu einem Stück Film- und Zeitgeschichte geworden und der Hit „Born To Be Wild“ zu einem Oldie. Am 18.3., 20.30 Uhr.

Kuhle Wampe oder wem gehört die Welt?

1932 traf Regisseur Slatan Dudow (Schüler von Fritz Lang, G.W. Pabst und Sergej Eisenstein) der Bannstrahl der Zensur. Sein Film KUHLE WAMPE ODER WEM GEHÖRT DIE WELT? beleidige den Reichspräsidenten, die Justiz und die Religion. Künstler und Kritiker protestierten gegen das Verbot und schließlich kam der Film, durch Schnitte "entschärft", doch in die Kinos. Drehbuchautor Bert Brecht zollte dem Zensor süffisant Respekt: Er sei der einzige, der den Film richtig verstanden hätte. So ist der Selbstmord des jungen Arbeitslosen am Anfang der Handlung nicht individuell, sondern typisch gemeint. Als Ausdruck der Knechtschaft durch das Kapital. KUHLE WAMPE ist der einzige eindeutig kommunistische Film der Weimarer Republik und atmet die Rhetorik und das Pathos des Klassenkampfes. Was bei aller Hoffnung auf einen roten Morgen zugleich durchscheint, ist der oftmals dokumentarisch klare Blick auf die sozialen Verhältnisse in der Zeit der Wirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre. Am 19.3., 18 Uhr

Die innere Sicherheit

Regisseur Christian Petzold erzählt in DIE INNERE SICHERHEIT aus dem Jahr 2001 von einer Reise immer weiter weg von der Revolution: Clara (Barbara Auer) und Hans (Richy Müller), die keine Nachnamen haben, leben auf der Flucht, seit sie vor 15 Jahren die RAF verlassen haben. Das Leben in Portugal hat sich normalisiert. Bis sich Jeanne (Julia Hummer), ihre Tochter, verliebt. Die Eltern müssen sich aus der Tarnung wagen. Christian Petzold, der gemeinsam mit Harun Farocki das Drehbuch schrieb, zeigt Ex-Terroristen als Untote. Sie sind Menschen, die im Schattenreich der Gesellschaft namenlos umherwandeln. Ein Schicksal, das sich auf die Tochter vererbt. Doch die Nähe zum Leben bleibt spürbar, an ihr schärft sich der Blick für das Sich-Unsichtbar-Machen. Am 20.3., 18 Uhr.

Unter den Brücken

Wie kann das gehen? Eine Romanze zu drehen, während die Front des Zweiten Weltkriegs an Deutschland heranrückt, die Bilder von Berlin bereits die ersten Bombentreffer ahnen lassen. Helmut Käutner gelang dies 1944 und ihm glückte mit UNTER DEN BRÜCKEN noch mehr: ein Meisterwerk von poetischem Realismus. Seemannslieder auf der Quetschkommode. Kontrastscharfe, mitunter nachtschwarze Bilder, gekonnt zusammengefügt. Der Film schaffte es erst nach dem Krieg in die Kinos. Das war auch deshalb möglich, weil Käutner keinen Durchhaltefilm drehte, sondern von einer Utopie erzählte: von Freundschaft, von Liebe, von selbstlosem Handeln und der Schiffsreise unter den Brücken Berlins zur Nordsee nach Rotterdam. Da sind Hendrik (Carl Raddatz) und Willy (Gustav Knuth). Sie besitzen ein Schleppschiff und träumen von einem Boot mit Motor. Da ist Anna (Hannelore Schroth), eine traurige Frau. Nur einer kann ihre Liebe gewinnen, aber keiner muss den anderen verlieren. Am 21.3., 18 Uhr.

Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes

Ein Filter, geschliffen durch Ironie und Satire, muss vors Objektiv gespannt werden, wenn gegenwärtig das Pathos des Klassenkampfes zitiert werden soll. Julian Radlmaiers Komödie SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN HUNDES von 2017 führt prompt den Regisseur Julian (vom Regisseur selbst gespielt) auf eine Apfelplantage ins brandenburgische Havelland. Er recherchiere für einen kommunistischen Film, macht er der wirklich linksaktiven Camille (Deragh Campbell) weis. Die Arbeiter Sancho (Beniamin Forti) und Hong (Kyung-Taek Lie), beide vorher aus einem Museum gefeuert, werden zum Untersuchungsobjekt für den bevorstehenden Klassenkampf. Was freilich nicht gelingt: aus dem Teufelskreis der Ausbeutung zu springen. Was durchaus glückt: auf gekonnt komische Weise und in irrwitzigen Szenen davon zu erzählen. Ein Mann in Mönchskutte (Ilia Korkashvili) kommt auch vor und berichtet von Italien. Was fast schon wieder ein Utopia sein könnte, jedenfalls vom Havelland aus gesehen. Am 25.3., 20.30 Uhr.

Alphaville

Das Motiv von der Übernahme der Welt durch die Maschinen ist nicht erst mit MATRIX aus dem Kino-Olymp gefallen. Bereits 1965 kam Jean-Luc Godards Abstecher ins Science-Fiction-Genre ALPHAVILLE in die Kinos. Godards intelligenter Thriller führt die verschiedenen Versprechen einer Zukunft zusammen und kombiniert sie zurückhaltend mit dem klassischen Genre der Utopie: ScienceFiction. Geheimagent Lemmy Caution (Eddie Constantine) reist ins zeitgenössische, aber futuristisch anmutende Paris, um die Menschheit von der rationalen Herrschaft des Computers Alpha 60 zu befreien. Eine sich entwickelnde Liebesgeschichte ist der erste Schritt für die Aussicht auf Rettung. Ausgangspunkt sind dabei die Schrecken der Gegenwart. Die gekonnte Mischung eines Zukunftsfilms mit Motiven aus der Schwarzen Serie spielt mit Licht und Schatten, erschafft eine künstliche stilisierte Welt ohne Gefühl und Dichtung. Dank Eddie Constantine besaß die Figur des Geheimagenten Lemmy Caution schnell Kultcharakter, auch wenn der Filmselbst mit gängigen Erzählgewohnheiten bricht. Am 26.3., 18 Uhr.

Zabriskie Point

ZABRISKIE POINT von Michelangelo Antonioni lässt ahnen, dass 1970 Visionen unverstellter auf die Leinwand kamen. Und das in mehrfacher Hinsicht: Der italienische Meisterregisseur erzählt vom Studenten Mark (Mark Frechette), der ein Flugzeug stiehlt, weil er fürchtet, unter Mordverdacht zu geraten. Daria (Daria Halprin) ist mit dem Auto unterwegs von Kalifornien nach Arizona. Nach seiner Landung steigt Mark in ihr Auto und sie machen halt im Death Valley am ZabriskiePoint. In der Wüste rauchen sie einen Joint und lieben sich. Antonioni vereinte am Zabriskie-Point gleich mehrere Paare zu einem psychedelischen Liebessspiel. Die Explosion zum Schluss des Films wiederholte er gleich 13 Mal, bis selbst der Inhalt des demolierten Kühlschranks zu sehen ist. ZABRISKIE POINT wirkt auf radikale (und visuelle) Weise als ein Experiment, das sich nur die jungen 1970er Jahren trauten. Am 28.3., 20.30 Uhr.

Tickets zum Filmprogramm der Duisburger Akzente können ab sofort online unter www.filmforum.de oder zu den Öffnungszeiten an der Kinokasse erworben werden!

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