Rathaus Hamminkeln
09.11.2019 – 31.12.2019

Wege nach 1945

(c) Heimatverein Dingden

Neuland Deutschland – Neuland Kanada

Der Heimatverein Dingden e. V. erforschte in den vergangenen Jahren sehr intensiv das Schicksal der im Holocaust ermordeten Mitglieder der Familie Humberg und hat das ehemalige Wohnhaus zu einem Geschichts- und Erinnerungsort entwickelt. Gleichzeitig bemühte er sich aber auch um Kontakte zu den Überlebenden, den Auswanderern und deren Nachfahren, und hat mit ihnen zusammen in vielfacher Hinsicht Neuland betreten.

Seit 1882 wohnte auf der Hohen Straße in Dingden die jüdische Familie Humberg, die dort eine Metzgerei, einen Manufakturladen und einen Viehhandel betrieb. Abraham und Rosalia Humberg und ihre Kinder waren geachtete Bürgerinnen und Bürger. Gleichwohl waren auch die Humbergs nach 1933 einer systematischen Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Drei Kindern mit ihren Familien gelang die Flucht nach Kanada, vier wurden Opfer der Shoah. Die Wege der Mitglieder der Familie zeigen die ganze Bandbreite jüdischer Schicksale während der Verfolgung: Deportation und Ermordung, aber auch die rechtzeitige Emigration und gelungene Flucht.

Ernst Humberg, der in Brünen lebte, sah nach seinen Erlebnissen in der Pogromnacht als Lebensperspektive für seine kleine Familie nur noch die Emigration. Auch Frieda Terhoch, geborene Humberg, konnte mit ihrem Mann und den Zwillingen Kurt und Rudi über die Niederlande nach Kanada auswandern. Ihnen schloss sich der Bruder Siegmund aus Burgsteinfurt an.

Bereits 1988 kamen mit Rudi und Kurt Terhoch erstmalig Nachfahren der Familie Humberg zu einem Kurzbesuch nach Dingden, konnten aber damals das Haus der Großeltern nicht betreten. Jahre später nahm der Heimatverein seinerseits Kontakt zu Rudi Terhoch auf. Es entwickelte sich auch zu anderen Nachfahren ein reger Briefwechsel und Informationsaustausch, durch den sich freundschaftliche Begegnungen anbahnten. 2009 nutzte Susan Muscovitch, die Urenkelin von Abraham Humberg, eine Europareise zu einem Kurzbesuch in Dingden. Nach 71 Jahren der Abwesenheit kehrte somit das erste Mitglied der Familie Humberg in das Haus der Vorfahren zurück. Susan nahm mit ihrer Mutter Ruth und den Söhnen von Kurt und Rudi an der Eröffnung des Humberghauses im Jahre 2012 teil.

Ruth, inzwischen 80-jährig, berichtete, dass ihre Eltern nie über Deutschland und die Lebensumstände dort mit ihr gesprochen hätten. Alles Wissen über das Leben ihrer Vorfahren in Deutschland habe sie durch den Austausch mit dem Heimatverein gewonnen. Diese Äußerung unterstreicht, wie konsequent Kanada als Neuland angenommen wurde und wie radikal die Abkehr von ihrem Geburtsland, das ihnen keine Heimat mehr sein konnte, vollzogen wurde.

Aber auch die Nachfahren, die sich natürlich alle als kanadische Bürgerinnen und Bürger verstehen, mussten mit der Kontaktaufnahme nach Dingden Neuland betreten. Und die Verantwortlichen des Heimatvereins begaben sich ihrerseits auf unbekanntes und schwieriges Terrain.

Alle diese vom Heimatverein recherchierten und herausgearbeiteten Facetten werden der Öffentlichkeit in der Ausstellung im Rathaus-Foyer vorgestellt und mit Fotos, Dokumenten und Objekten nahegebracht.

Foyer des Rathauses der Stadt Hamminkeln, Brüner Straße 9 | D-46499, Öffnungszeiten: Mo – Do: 8.30 – 12 Uhr und 14 – 16 Uhr, Fr: 8.30 – 12 Uhr, Tel.: +49 (0)2852 / 958 90 93, wolberght@gmx.de, info@humberghaus.de, www.humberghaus.de

Heimatverein Dingden e. V. // Hohe Straße 1 | D-46499 Hamminkeln

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