Museum DKM
10.11.2018 – 07.07.2019

Sebastian – Chronik einer Arbeit. DOROTHEE VON WINDHEIM

(c) Dorothee von Windheim / VG BildKunst, Bonn 2018

Die in Köln lebende Künstlerin referiert in Ihrem Werk häufig auf Reliquien und Heiligendarstellungen, um Fragen von Bild, Abbild und Abnahme zu thematisieren. Oft dokumentiert sie dabei den Entstehungsprozess. Mit der “Chronik” der Arbeit zum Hl. Sebastian stellt sie einen Entstehungszusammenhang dar, der sich über eine Spanne von 44 Jahren – fast der gesamte Zeitraum ihres künstlerischen Schaffens – erstreckt und Ihre vielfältigen Arbeitsweisen und -techniken darstellt.

Seit der Eröffnung des Museum DKM vor nahezu zehn Jahren ist von Windheim mit einem Raum, der Ihre Arbeit für Hanau dokumentiert, in der Dauerausstellung vertreten. Bisher wurde die Bodenskulptur, die aus den Bronzeabgüssen zweier aus der verwitterten Parkmauer des Barockschlosses Philippsruhe herausgebrochenen Steine besteht, zusammen mit Fotografien von Klaus Kinold sowie einer Boden- und zweier Wandarbeiten von Gottfried Honegger präsentiert, ergänzt durch die Dokumentation des Entstehungsprozess der Arbeit und zwei Mauerstücke von der Elbchaussee Hamburg.

Ab dem 10. November 2018 ist in diesem Raum eine Vitrinenarbeit zu sehen, deren Titel durch die Legende vom Hl. Sebastian inspiriert wurde: Das große rote Tuch mit roter Lochstickerei erinnert abstrakt an die Verletzungen des Märtyrers, ist aber nicht ausgebreitet zu sehen, sondern wird zusammengeknüllt in einer Spitzhaubenvitrine gezeigt. Entgegen der verbreiteten Darstellung des Hl. Sebastian, mit von Pfeilen durchbohrter Brust, wählt die Künstlerin einen weniger traditionellen Ansatz. Sie hat die Arbeit nach dem Abdruck eines Baumleibes gefertigt, dessen Rinde durch tiefe, an Einschüsse erinnernde Löcher gezeichnet war. Begleitet wird die Präsentation von der Entwicklungsgeschichte des ausgestellten Stückes in Form einer Text-/Fotoarbeit und von Arbeiten, die Zwischenschritte darstellen.

Bereits 1971 fertigte von Windheim den ersten Abdruck eines Baumstamms an, in dem sie ein Bild ihrer selbst erkannte. Die Arbeitsweise, das Bild durch Reiben mit der bloßen Hand, auf mit Wasser benetztem Musselinstoff, abzudrücken, erinnerte sie an die Entstehung des Schweißtuch der heiligen Veronika. Seither setzt die Künstlerin sich mit dieser Geschichte, die sie als “Darstellung des Abdrucks par excellence in der Kunstgeschichte” wahrnimmt, auseinander. Mit der Entdeckung eines Baums, der durch zahlreiche Verletzungen der Rinde in ihr Assoziationen an die Legende des Hl. Sebastian hervorrief, setzte von Windheim diese Praxis fort. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung wird in der Ausstellung präsentiert.

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