Keramiekcentrum Tiendschuur Tegelen
14.09.2018 – 13.01.2019 außer dienstags

Die Schönheit von Tropfen und Bläschen

(c) Thomas Bohle

Glasieren ist ein Handwerk für sich. Es ist möglich diese fertig im Laden zu kaufen, wie Maler das heutzutage oft mit Farbe tun. Die meisten Keramikkünstler entscheiden sich jedoch dafür, ihre Glasuren selbst zu entwickeln und zusammen zu stellen. Dies kostet viel Forschung, viel chemische Arbeit und noch mehr Tests und Geduld. Die Ergebnisse sind die Mühe mehr als wert; wunderschöne Schichtungen, Farbschattierungen und verschiedene Gradierungen in Glanz und Transparenz. Eine vollständige Übersicht im Bereich des Glasierens ist unmöglich, wohl aber zeigt diese Ausstellung eine interessante Auswahl von ‚Glasur‘ Künstlern. Entdecken Sie die Geheimnisse, Komplikationen, Vielseitigkeit und Schönheit von Glasuren, die von renommierten Künstlern aus ganz Europa angewendet werden.

Im Keramikzentrum Tiendschuur Tegelen sind viele verschiedene Keramik Kunstwerke zu sehen, viele Keramiktechniken wurden bereits in thematischen Ausstellungen erläutert. Glasur als Thema und Technik an sich kamen bisher noch nicht zur sprache. Es ist ein komplexes und sehr vielfältiges Phänomen. Es ist eine große Aufgabe, diesen Aspekt des keramischen Handwerks transparent zu machen. Das Keramikmuseum hat diese Herausforderung angenommen. Das Ergebnis ist eine Ausstellung, die die Geheimnisse des Glasierens auf verständliche Weise enthüllt und mit den Arbeiten der gegenwärtig bedeutendsten Glasurexperten und Künstler illustriert.

Die Zutaten, worunter die Rohstoffe in einer Glasur, reagieren nicht nur aufeinander, sondern auch auf den Ton auf dem sie appliziert sind, und auf die Bedingungen im Ofen. Jeder Rohstoff hat einen anderen Schmelzpunkt, die Kombination von Stoffen kann dies wiederum beeinflussen. Darüber hinaus hat auch der Typ Ofen einen Einfluss; elektrisch, Gas oder gebrannt; Jede Atmosphäre ist anders, mit unterschiedlichen Backergebnissen. Ist es beispielsweise möglich, die Sauerstoffversorgung zu regulieren? Mit Sauerstoff brennen Sie "oxidierend", dann wird ein Rohstoff Kupfergrün, "klemmen" Sie die Sauerstoffzufuhr ab, dann bildet sich eine reduzierende Atmosphäre und wird er Kupferrot. Ein Kupferdach reagiert auch so. Wer zu Hause schon mal einen Apfelkuchen macht, weiß, dass mit einem fremden Ofen immer experimentiert gilt, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Beim Keramikbacken ist das nicht anders.

Viele Glasureffekte, die in dieser Ausstellung zu sehen sind, sind eigentlich "Fehler". Zum Beispiel eine Glasur die platzt, hierdurch ist die Schicht funktionell gesehen nicht mehr gut. Die Glasur liefert keine wasserdichte Schicht mehr, was im Geschirr sehr wichtig ist. Aber die Risse selbst können für ein sehr schönes dekoratives Muster sorgen, den sogenannten craquelé Effekt. Für die Konsumkeramik ist es wichtig, dass eine Glasur glatt ist. Unregelmäßigkeiten in der Glasur zeigen "Bröckchen", Flecken und Bläschen. Alles "Fehler" die Keramiker in dieser Ausstellung zu "Schönheit" umgetauft haben. Sie begehen bewusst Fehler, um ihre Arbeit von prächtigen Häuten zu versehen.

So sind Karin Ostberg (S) und Marc Uzan (F) fasziniert von der Haftung am Untergrund. Sie bringen verschiedene übereinander liegende Schichten an, die nicht gut haften, und vor allem eine unterschiedliche Schrumpfwirkung haben. Infolgedessen schrumpft die obere Schicht schneller als die darunter und platzt auf. Der Farbkontrast zwischen den beiden Schichten und die bizarre Struktur der Risse ergeben zusammen ein erstaunliches Ergebnis. Marc Uzan ist ein wahrer Glasur-Experte, neben diesem Glasur-Effekt hat er sich viele andere Verfahren zu Eigen gemacht.

In den Arbeiten von Claude Champy (F) und Eddie Curtis (GB) gibt es auch Risse, diese sind auch ein Ergebnis mehrerer Lagen übereinander. Sie scheinen darin alle Hemmungen über Bord zu werfen und verleihen ihrer Arbeit eine prunkvolle und barocke Oberfläche von Rissen und Farben. Wenn eine Glasur gebrannt wird, wird sie durch bestimmte Zutaten schmelzen; wenn sie zu schnell schmilzt, fliest die Glasur sozusagen von der Keramik runter und es können "Tropfen" entstehen. Hier ist auch wieder die Rede von einem Fehler, der in der industriellen Konsumkeramik sofort abgelehnt worden wäre. Aber eine Reihe von Keramikern in dieser Ausstellung kann nicht genug davon bekommen. Sie lassen alles wunderbar laufen oder werfen sogar viele Lagen übereinander, unter anderem die oben erwähnten Claude Champy und Eddie Curtis wenden dies an. Ähnlich verhält es sich mit dem Österreicher Thomas Bohle, der diesen Effekt in seinen prächtigen Formen sehr bescheiden anwendet.

Auch nicht abgeneigt von Tropfen ist Morten Løbner Espersen (DK). Er fügt noch mehr Effekte hinzu nämlich; Bläschen. Diese entstehen durch die Glasur zum Kochen zu bringen. Natürlich technisch gesehen wieder völlig falsch, gleichzeitig erinnern diese wunderschönen Naturhäute an erstarrter Lava oder andere Gesteine. Die Arbeit von Paul Wearing (GB) zeigt diese natürliche Ausstrahlung sehr schön.

Matthew Blakely (GB) und Joop Crompvoets (NL) brennen beide in Gas- und Holzöfen. Hier beeinflussen alle möglichen Faktoren die endgültige Glasur. Wie der Platz im Ofen, der Sauerstoffgehalt, wirbelnde und geschmolzene Asche und Salze, und nicht zu vergessen ‚der Kuss des Feuers‘. Letzteres gibt der Arbeit (wie könnte es auch sonst mit einem Kuss sein) eine schöne warme Farbe. Und genau wie die Liebe, lassen sich diese Glasuren (fast) nicht lenken. Wodurch es jedes Mal wieder eine Überraschung ist, wie die Arbeit aus dem Ofen kommt, und ob sie einen Kuss, einen Tropfen oder beides bekommen hat.

Bestimmte Erscheinungen in der Natur können besonders schön sein, denken Sie zum Beispiel an Eisblumen oder den irisierende Glanz von Fett oder Öl. Diese Phänomene sind auch in der Glasur anwendbar. Matthieu Robert (F) ist sehr fachkundig in verschiedenen Arten von Glasuren, seine "Ölfleck" -Glasur ist besonders schön. Er wendet diese auf sehr einfache Formen an, um so die Glasur so viel wie möglich zur Geltung kommen zu lassen. Auch Hein Severijns (NL) wendet seine Glasuren auf bescheidene Formen an. Er hat das andere Naturphänomen in eine Glasur übersetzt: die Eisblumen oder Kristallglasur. Seine matten Kristallglasuren sind weltberühmt und einzigartig. Neben diesen matten Kristallen gibt es glänzende Kristalle der schottischen Keramikkünstlerin Maggie Zerafa. Ihre asymmetrischen Formen.

Zum Schluss gibt es die Arbeit der niederländischen Keramikerin Wil van Blokland. Ihre Karriere ist eine große Suche nach Glasur-Effekten. Sie strebt insbesondere nach dem "Halo" -Effekt, es ist eine Kombination mehrerer Glasuren übereinander, wobei eine Art Heiligenschein oder Aura rundum ein Glasurfleck entsteht. Sie kombiniert Glasuren auf wunderschöne Weise wodurch spannende abstrakte Farbflächen entstehen die zittern, strahlen und saugen. Ihre Arbeiten erinnern an das monumentale Werk des Malers Marc Rothko.

Neben den Endergebnissen sind auch Reihen von Notizheften, Rohstoffen, Tests, Bildern und Experimenten zu sehen. Mit anderen Worten, was da alles zusammen kommt beim Entwickeln von Glasuren. Hierdurch wird es deutlich, was sich die Künstler in dieser Ausstellung aufhalsen, indem sie selbst eine Glasur entwickeln, statt ein paar Fertiggläser im Hobbyladen zu holen.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Freitag, den 14. September um 16:00 Uhr statt, und wird von Kurator Sacha Odenhoven vorgestellt. Teilnehmende Künstler sind: Matthew Blakely (GB); Wil van Blokland (NL); Thomas Bohle (AT); Claude Champy (F); Joop Crompvoets (NL); Eddie Curtis (GB), Morten Løbner Espersen (DK); Hein Severijns (NL); Karin Ostberg (S); Matthieu Robert (F); Marc Uzan (F); Paul Wearing (GB); Maggie Zerafa (GB).

An unteren Daten sind Künstler persönlich anwesend:

15.09.: Wil van Blokland: über den ‘halo’ Effekt in Glasuren und Inspiration aus China, 14:00 Uhr

23.09.: Hein Severijns: Von “Keimen bis Kristall“, über Kristallglasuren und andere Glasurgeheimnisse, 14:00 Uhr

21.10: Joop Crompvoets: “Schöne salzige Tränen”. Alles über Salzglasuren, 14:00 Uhr

04.11.: Rob Muylaert: Entwirrt Glasurgeheimnisse wie Ochsenblut, Hasenhaar und Ölspot, 14:00 Uhr

16.12.: Emanuel Boos: über die Rolle der Glasur in der zeitgenössischen Keramikkunst, 14:00 Uhr

https://tiendschuur.net/

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Öffnungszeiten:
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