Museum für Europäische Volkstrachten
19.03.2017 – 30.11.2017

Die Heimat verlassen –

Dalheim: Für einige war esDurchgangs-Station, für andere das neue Zuhause / c) Heimatverein Wegberg-Beeck

Eine neue Heimat finden

Menschen waren und sind unterwegs, weltweit. Auch in der Kleinstadt Wegberg finden sich Spuren von Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen die Stadt verlassen haben oder hierher kamen. Die Sonderausstellung gibt einen Überblick über die Wanderungsbewegungen in den letzten 200 Jahren. Sie skizziert die Aus- und Zuwanderungen, die aus wirtschaftlichen, politischen oder auch ganz privaten Gründen erfolgten, sowie ihre sozialen und infrastrukturellen Folgen für Stadt und Umgebung.

Die ehemalige Auswandererhalle am Bahnhof in Wegberg-Dalheim, die zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts für Ausreisewillige erbaut wurde, ist steingewordenes Zeugnis all der Menschen, die aufgrund der aufweichenden Machtverhältnisse der Jahrhundertwende um 1900 in Osteuropa die Flucht nach Übersee antraten. Viele hundert Menschen, zumeist aus Russland, Polen, Lettland und anderen Oststaaten, mussten hier vor der niederländischen Grenze warten, bis ein aufnahmebereites Schiff im Hafen von Antwerpen für sie bereit lag, damit sie im direkten Transfer über den „Eisernen Rhein“, der Güterzugtrasse von Duisburg nach Antwerpen, dem Auswanderer-Tor an der Schelde-Mündung, gelangen konnten. Zeitweise machten bis zu 100 Menschen pro Tag Station in der Auswandererhalle. Auch viele Niederrheiner kehrten ab Mitte des 19. Jahrhunderts ihrer Heimat den Rücken und versuchten im benachbarten Ausland, aber auch in den USA , einen Neuanfang. Deren Schicksale, speziell der Wegberger Auswanderer, werden anhand von Briefen, privaten Dokumenten, Presseberichten sowie Fotos anschaulich gemacht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der 11.500 Einwohner zählenden Gemeinde Wegberg innerhalb von vier Jahren mehr als 1.700 Flüchtlinge und Vertriebene angesiedelt. Die Beschlagnahmung von Wohnraum und Zwangseinweisungen in dieser Zeit allgemeiner Notlage bedeutete eine große Herausforderung auf beiden Seiten. Im „rein katholischen“ Wegberg lebten fortan zahlreiche Protestanten, die Jahre später die erste evangelische Kirchengemeinde bildeten. Ostdeutsche Dialekte trafen auf Wegberger Umgangssprache, unterschiedliche Traditionen begegneten sich. Irritationen und Befremdnis bei den „Zugezogenen“ wie Einheimischen beeinträchtigten das Zusammenleben in der Nachkriegszeit. Ab den 1970er Jahren wurden von der deutschen Industrie verstärkt Arbeitskräfte aus der Türkei, Italien, Portugal und Griechenland angeworben. Viele „Gastarbeiter“ blieben aber nicht nur für die vorab geplante Beschäftigungssaison, sondern wurden sesshaft und haben in Wegberg eine neue Heimat gefunden.

Darüber hinaus wird auch den Emigranten der letzten Jahre Beachtung geschenkt: Menschen aus Sri Lanka, die vor Jahren aus politischen Gründen nach Deutschland kamen, Deutschstämmigen, die in den 1990er Jahren aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion, aus Kirgisien, Kasachstan und Russland übersiedelten, sowie den Asylbewerbern jüngster Zeit, die aus ihren krisengeschüttelten Heimatländern fliehen mussten, und nicht zuletzt auch Menschen, die der Liebe wegen ihren Weg nach Wegberg fanden.

Impressionen zur Vernissage: https://youtu.be/Aw8yzDr7d24

Hintergrund-Info:

Mit dem Eisernen Rhein Non-Stop nach Übersee

Als „Eiserner Rhein” wird eine über Mönchengladbach und Roermond führende Eisenbahnstrecke vom Duisburger Hafen zum Hafen nach Antwerpen bezeichnet. Sie war bis zur Einstellung des grenzüberschreitenden Güterverkehrs auf dem Teilstück zwischen Dalheim und Roermond im Jahr 1992 die kürzeste Bahnverbindung vom Ruhrgebiet zu den belgischen Seehäfen und wurde überwiegend von Güterzügen genutzt. Im Personenverkehr war sie vor dem Ersten Weltkrieg vor allem für eine große Zahl von Auswanderern in die USA von Bedeutung.

Museum für Europäische Volkstrachten

Kirchplatz 7
41844 Wegberg-Beeck

+49 (0) 152 / 37805636
info@heimatverein-beeck.de

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